Disclosure Day – Spielberg lässt uns wieder an das Unbekannte glauben

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Disclosure Day – Spielberg lässt uns wieder an das Unbekannte glauben

Steven Spielberg ist zurück bei einem seiner Lieblingsthemen: dem ersten Kontakt mit einer fremden Zivilisation. „Disclosure Day“ ist dabei weniger die große Revolution des Science-Fiction-Kinos als eine liebevolle Rückkehr zu dem, was dieses Genre einmal so besonders gemacht hat.

Wenn Steven Spielberg einen neuen Science-Fiction-Film über Außerirdische dreht, sind die Erwartungen automatisch ziemlich hoch. Immerhin hat der Mann mit Unheimliche Begegnung der dritten Art und E.T. zwei Filme geschaffen, die unser Bild von außerirdischem Leben nachhaltig geprägt haben.

Mit Disclosure Day kehrt Spielberg nun zu diesem Thema zurück. Und obwohl der Film natürlich moderne Elemente besitzt, fühlte ich mich beim Anschauen erstaunlich oft in die 90er-Jahre zurückversetzt.

Das ist ausdrücklich positiv gemeint.

Disclosure Day erinnert mich an die Zeit, in der Science-Fiction noch Geheimnisse haben durfte. An Filme und Serien, bei denen eine merkwürdige Beobachtung nicht innerhalb von fünf Minuten im Internet erklärt wurde. An Regierungsakten, verschwundene Informationen, Whistleblower und die Frage, ob hinter dem, was wir sehen, vielleicht etwas viel Größeres steckt.

Kurz gesagt:

Ich hatte richtig Spaß mit diesem Film.

Ein Geheimnis, das besser verborgen bleiben sollte

Im Mittelpunkt stehen Daniel Kellner, gespielt von Josh O'Connor, und die Meteorologin Margaret Fairchild, dargestellt von Emily Blunt.

Daniel stößt auf Informationen, die besser niemals an die Öffentlichkeit gelangen sollten. Hinter ihnen steckt eine jahrzehntelange Geschichte über außerirdische Begegnungen und eine Organisation namens WARDEX, die Informationen darüber sammelt und geheim hält.

Margaret gerät auf eine ganz andere Weise mit diesem Geheimnis in Berührung.

Mehr möchte ich an dieser Stelle gar nicht verraten.

Denn Disclosure Day funktioniert für mich am besten, wenn man möglichst wenig über die Handlung weiß. Der Film lebt davon, dass sich die einzelnen Puzzleteile nach und nach zusammensetzen. Einige Entwicklungen kann man vielleicht erahnen, andere kommen überraschend.

Und genau dieses alte Gefühl des Entdeckens hat mir gefallen.

Ein bisschen Spielberg, ein bisschen Akte X

Schon nach kurzer Zeit hatte ich dieses vertraute Gefühl.

Ich saß da und dachte:

Das könnte auch eine besonders teure Folge von Akte X sein.

Natürlich mit deutlich mehr Spielberg.

Die Mischung aus geheimen Informationen, ungewöhnlichen Beobachtungen, Regierungsinteressen und Menschen, die einer Wahrheit hinterherjagen, hat genau diese Atmosphäre.

Eigentlich hätte nur noch der Raucher irgendwo in einem dunklen Büro sitzen müssen.

Vielleicht wäre er dann sogar der perfekte WARDEX-Mitarbeiter gewesen.

Aber der Vergleich mit Akte X ist für mich kein Zeichen dafür, dass Disclosure Day altmodisch wäre. Ganz im Gegenteil. Ich vermisse diese Art von Science-Fiction.

Filme müssen nicht immer versuchen, das Genre neu zu erfinden.

Manchmal reicht es, eine gute Geschichte zu erzählen und dabei dieses Gefühl von Geheimnis und Staunen zurückzubringen.

Und plötzlich ist der Film erstaunlich nah an der Realität

Interessant wird Disclosure Day allerdings dadurch, dass seine Grundidee heute gar nicht mehr so absurd wirkt, wie sie vielleicht vor einigen Jahrzehnten gewirkt hätte.

Aus dem klassischen UFO ist inzwischen offiziell immer häufiger das UAP – Unidentified Anomalous Phenomena geworden.

Das US-Verteidigungsministerium beschäftigt sich über das All-domain Anomaly Resolution Office, kurz AARO, mit solchen Beobachtungen. Auch die NASA hat sich mit dem Thema auseinandergesetzt.

Dabei ist wichtig, die Kirche im Dorf zu lassen: Keine dieser Behörden hat bestätigt, dass UAP außerirdische Raumschiffe sind. Die NASA erklärt ausdrücklich, dass es dafür bislang keine wissenschaftlichen Belege gibt.

Aber genau das macht die Sache für mich interessant.

Denn es gibt tatsächlich militärische Aufnahmen und Beobachtungen, die zunächst nicht eindeutig identifiziert werden konnten. Einige Fälle lassen sich später erklären, bei anderen reichen die vorhandenen Daten nicht für eine eindeutige Bewertung.

Das ist etwas völlig anderes als:

„Das Pentagon hat Aliens bestätigt.“

Hat es nicht.

Aber es ist eben auch etwas anderes als:

„Da gibt es überhaupt nichts zu untersuchen.“

Und diese Entwicklung finde ich persönlich ausgesprochen spannend.

Vielleicht bin ich bei diesem Thema deshalb auch ein bisschen Mulder.

I want to believe.

Dieser Satz aus Akte X passt für mich erstaunlich gut zu meiner Haltung gegenüber UAP.

Ich glaube nicht einfach jede Geschichte, die irgendwo im Internet auftaucht. Ein verschwommenes Video ist für mich kein Beweis. Eine Aussage allein macht aus einem unbekannten Objekt ebenfalls kein Raumschiff.

Aber ich finde die Möglichkeit faszinierend.

Und solange die Wissenschaft keine eindeutige Antwort hat, darf in meiner Fantasie durchaus ein kleines Fenster offenbleiben.

Vielleicht gibt es für jedes UAP irgendwann eine ganz normale Erklärung.

Vielleicht entdecken wir irgendwann etwas, das unser bisheriges Weltbild verändert.

Ich weiß es nicht.

Und genau dieses „Ich weiß es nicht“ finde ich viel spannender als die Behauptung, bereits alles zu wissen.

Deshalb begrüße ich auch, dass solche Beobachtungen inzwischen ernsthafter untersucht werden. Ein Pilot sollte meiner Meinung nach nicht automatisch als verrückt gelten, nur weil er etwas gesehen hat, das er sich selbst nicht erklären konnte.

Er sollte erzählen können, was passiert ist.

Dann sollten die Daten ausgewertet werden.

Und danach sehen wir weiter.

Vielleicht ist es ein Ballon.

Vielleicht ein Sensorfehler.

Vielleicht etwas Militärisches.

Vielleicht etwas völlig anderes.

Und wenn wir irgendwann keine Erklärung finden?

Dann haben wir zumindest eine interessante Frage.

Was würde eine echte Offenlegung mit uns machen?

Genau hier wird Disclosure Day für mich besonders interessant.

Denn Spielberg beschäftigt sich nicht ausschließlich mit der Frage, ob Außerirdische existieren.

Er interessiert sich viel mehr für die Folgen einer solchen Erkenntnis.

Was passiert, wenn acht Milliarden Menschen gleichzeitig erfahren, dass wir nicht allein sind?

Das ist eine der großen Stärken des Films.

Eine solche Nachricht würde vermutlich jede gesellschaftliche Ebene berühren.

Wissenschaft.

Religion.

Politik.

Militär.

Wirtschaft.

Und natürlich jeden einzelnen Menschen.

Ich finde dabei vor allem einen Gedanken spannend:

Vielleicht würden unsere ganzen kleinen menschlichen Konflikte plötzlich ziemlich unwichtig wirken.

Wir streiten uns über Grenzen, Parteien, Religionen und Ideologien. Wir verbringen unglaublich viel Zeit damit, uns gegenseitig zu erklären, warum unsere eigene Sichtweise die einzig richtige ist.

Und dann steht plötzlich etwas vor uns, das mit keiner dieser Kategorien etwas anfangen kann.

Vielleicht würde uns eine solche Begegnung tatsächlich erstmals zeigen, wie klein unsere eigene Welt ist.

Vielleicht würde sie uns zusammenschweißen.

Vielleicht würde sie uns komplett auseinanderreißen.

Genau deshalb funktioniert das Szenario für mich so gut als Gedankenspiel.

Spielberg bleibt Spielberg

Natürlich hat Disclosure Day auch seine Schwächen.

Ich kann verstehen, wenn jemand mit anderen Erwartungen an den Film herangeht und enttäuscht wieder aus dem Kino kommt.

Wer einen vollkommen neuen Science-Fiction-Ansatz erwartet, könnte vieles zu klassisch finden.

Wer einen knallharten wissenschaftlichen Thriller erwartet, wird ebenfalls nicht unbedingt glücklich.

Und wer Spielberg grundsätzlich nichts abgewinnen kann, wird vermutlich auch hier nicht plötzlich bekehrt.

Für mich war das allerdings genau die richtige Mischung.

Der Film ist spannend, manchmal emotional, teilweise überraschend humorvoll und immer wieder angenehm groß.

Emily Blunt trägt ihre Rolle dabei mit einer Energie, die mir sehr gefallen hat. Josh O'Connor funktioniert als Gegenpol ebenfalls hervorragend. Beide Figuren fühlen sich nicht wie austauschbare Hollywood-Figuren an, sondern wie Menschen, die plötzlich mit etwas konfrontiert werden, das ihr bisheriges Weltbild erschüttert.

Und dann gibt es natürlich Spielberg.

Man merkt einfach, dass hier jemand weiß, wie man einen Zuschauer neugierig macht.

Ein Film mit erstaunlich viel Handarbeit

Auch technisch ist Disclosure Day interessant.

Spielberg und sein Team setzten bewusst auf eine klassische Bildsprache. Der Film wurde auf 35-mm-Film gedreht, während bestimmte historische beziehungsweise dokumentarische Aufnahmen auf 16-mm-Film entstanden.

Gerade diese Aufnahmen sollen sich nicht wie perfekt produzierte Hollywoodbilder anfühlen. Sie wirken eher wie altes Material, das irgendwann aus einem Archiv gezogen wurde.

Passend zum Thema.

Auch die Geschichte selbst entstand nicht mal eben über Nacht. Spielberg entwickelte die ursprüngliche Story selbst und schrieb sie zunächst auf seinem iPad. David Koepp übernahm anschließend das Drehbuch und arbeitete daran in insgesamt 42 Fassungen.

Das ist schon eine Hausnummer.

Und dann wäre da natürlich noch John Williams.

Disclosure Day ist die 30. Zusammenarbeit zwischen Spielberg und Williams. Allein diese Zahl ist inzwischen fast schon ein Stück Filmgeschichte.

Wenn Williams' Musik einsetzt, fühlt sich ein Spielberg-Film eben sofort ein bisschen mehr nach Spielberg an.

Die vielleicht schönste Idee des Films

Ohne zu spoilern, gibt es im Film einen Moment, den ich besonders interessant fand.

Dabei geht es um die Verbindung zwischen der Begegnung mit dem Fremden und unserer eigenen Vorstellung von der Schöpfung.

Ein Bibelzitat bekommt dabei eine Interpretation, über die ich nach dem Film tatsächlich noch länger nachgedacht habe.

Ich möchte das bewusst nicht genauer erklären.

Nicht, weil es ein riesiger Twist wäre, sondern weil ich finde, dass man diesen Gedanken selbst erleben sollte.

Für mich gehört genau so etwas zu guter Science-Fiction.

Ein Film muss mir nicht jede Antwort liefern.

Manchmal reicht es, wenn er mir eine Frage mit nach Hause gibt.

Mein Fazit

Disclosure Day ist für mich kein perfekter Film.

Aber er ist ein Film, den ich sehr gerne gesehen habe.

Und das ist manchmal wichtiger.

Ich habe ihn gefeiert, weil er mich an die Science-Fiction erinnert hat, mit der ich groß geworden bin. An die großen Geschichten der 90er, an Akte X und an diese besondere Mischung aus Geheimnis, Spannung und der Hoffnung, dass hinter dem Unbekannten tatsächlich etwas Großes steckt.

Ich kann aber genauso verstehen, wenn jemand mit anderen Erwartungen an den Film herangeht und ihn deshalb weniger begeistert aufnimmt.

Für mich hat Spielberg genau das geliefert, was ich mir von ihm gewünscht habe:

ein großes, klassisches Science-Fiction-Abenteuer mit einem modernen Thema.

Und vielleicht ist gerade die Realität außerhalb des Kinos das Interessanteste daran.

Denn wir wissen tatsächlich nicht, was hinter jedem UAP steckt.

Wir wissen nicht, ob wir irgendwann eine echte Offenlegung erleben werden.

Und wir wissen schon gar nicht, ob uns irgendwann jemand aus dem All antwortet.

Aber solange diese Fragen offen sind, darf ich mir ein kleines Stück Hoffnung bewahren.

I want to believe.

Und wenn Disclosure Day eines geschafft hat, dann dieses alte Science-Fiction-Gefühl wieder hervorzuholen:

Den Blick zum Himmel zu richten und sich für einen kurzen Moment zu fragen,

„Was wäre, wenn?“

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