The Will of the Many: Warum Red-Rising-Fans dieses Buch lesen sollten

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The Will of the Many: Warum Red-Rising-Fans dieses Buch lesen sollten

James Islingtons Fantasy-Roman erinnert an Red Rising, entwickelt aber eine ganz eigene Welt voller ausgeklügelter Systeme, politischer Machtspiele und Geheimnisse. Mein persönlicher Eindruck vom ersten Band der Hierarchy-Reihe.

Manchmal braucht ein gutes Buch einfach eine zweite Chance. Das musste ich bei The Will of the Many von James Islington feststellen. Zunächst hatte ich den Roman wieder zur Seite gelegt. Das Setting, das an das antike Rom erinnert, konnte mich anfangs nicht so recht packen. Doch nachdem ich mich erst einmal an diese Welt gewöhnt hatte, nahm die Geschichte eine Wendung, mit der ich so nicht gerechnet hatte.

Plötzlich war da dieses vertraute Gefühl, das mich an eine meiner liebsten Science-Fiction- und Fantasy-Reihen erinnerte: Red Rising von Pierce Brown. Und ehe ich mich versah, hatte mich Islington mit seiner Geschichte ziemlich fest im Griff.

Buchinformationen

  • Titel: The Will of the Many
  • Autor: James Islington
  • Verlag: Adrian & Wimmelbuchverlag
  • Erscheinungstermin: 18. März 2025
  • Auflage: 5. Auflage
  • Sprache: Deutsch
  • Umfang: 792 Seiten
  • ISBN-10: 3985852472
  • ISBN-13: 978-3985852475
  • Genre: Fantasy, High Fantasy, politische Intrigen

Eine Welt, in der die Macht von unten nach oben fließt

Die Handlung spielt in der Catenischen Republik, einer Gesellschaft, deren Ordnung stark an das antike Rom angelehnt ist. An der Spitze steht eine Hierarchie, die ihre Macht auf einem ebenso ungewöhnlichen wie grausamen Prinzip aufbaut: Die Menschen geben einen Teil ihres Willens an diejenigen ab, die gesellschaftlich über ihnen stehen. Dieser sogenannte Will wird zur Grundlage für die Macht der herrschenden Klasse.

Was auf den ersten Blick wie ein weiteres dystopisches Gesellschaftssystem klingt, entwickelt im Laufe der Geschichte eine bemerkenswerte Tiefe.

Im Mittelpunkt steht Vis Telimus, der unter einer falschen Identität an der angesehenen Catenan-Akademie aufgenommen wird. Er verfolgt eigene Ziele, muss sich in einem System behaupten, dem er eigentlich nicht angehören will, und darf dabei keinesfalls auffliegen. Hinter den Mauern der Akademie warten Geheimnisse, politische Intrigen und Rätsel, deren Bedeutung weit über das hinausgeht, was Vis zunächst erkennen kann.

Gerade diese Mischung hat mich überzeugt. Islington erzählt keine Geschichte, in der einfach Gut gegen Böse kämpft und die Fronten von Anfang an klar verteilt sind. Seine Welt besitzt eigene Regeln, gesellschaftliche Mechanismen und Machtstrukturen. Wer sie verstehen möchte, muss aufmerksam bleiben.

ISBN-10 ‏ : ‎ 3985852472 - ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3985852475

Red Rising lässt grüßen

Wer Red Rising von Pierce Brown gelesen hat, wird vermutlich verstehen, warum ich bei diesem Buch irgendwann an die Reihe denken musste.

Auch hier begegnen uns eine streng hierarchische Gesellschaft, ein Protagonist, der sich in einem gefährlichen System behaupten muss, und eine Welt, in der Wissen und Macht über Leben und Tod entscheiden können. Dazu kommen die ständige Gefahr, entdeckt zu werden, und die Frage, wem man überhaupt noch vertrauen darf.

Trotz dieser Gemeinsamkeiten ist The Will of the Many kein bloßer Abklatsch. James Islington setzt andere Schwerpunkte und entwickelt seine Geschichte auf seine eigene Weise. Während Red Rising für mich mit seiner enormen Wucht, seinen emotionalen Eskalationen und seiner kompromisslosen Erzählweise eine ganz eigene Liga besetzt, geht Islington stärker über ausgeklügelte Systeme, Rätsel und die sorgfältige Konstruktion seiner Welt.

Ganz an die Genialität von Pierce Brown reicht das Buch für mich zwar nicht heran. Das ist allerdings kein Grund, es kleinzureden. Im Gegenteil: The Will of the Many ist ein ausgesprochen spannender und kreativer Roman, der sich seinen Platz neben anderen großen Genrewerken durchaus verdient.

Wenn selbst ein Brettspiel zur eigenen Welt gehört

Was mich besonders überrascht hat, war der Detailgrad, mit dem James Islington seine Welt ausgestaltet.

Immer wieder bin ich beim Lesen auf Systeme und Zusammenhänge gestoßen, bei denen ich mich gefragt habe, wie viel Gedankenarbeit wohl in ihrer Entwicklung stecken muss. Hier wird nicht einfach eine Kulisse aufgebaut, vor der die Handlung stattfinden darf. Die Welt besitzt eine innere Logik, und viele ihrer Bestandteile wirken so durchdacht, als könnten sie unabhängig von der eigentlichen Geschichte existieren.

Ein besonders schönes Beispiel dafür ist ein eigenes, an Schach erinnerndes Strategiespiel. Es ist Teil der Welt und trägt zu ihrem Charakter bei, obwohl es letztlich nur ein Nebenelement eines ohnehin schon umfangreichen Romans ist.

Genau solche Details machen für mich einen Unterschied. Sie vermitteln das Gefühl, dass hinter den Kulissen noch viel mehr existiert, als der Leser unmittelbar zu sehen bekommt. Eine Welt wirkt dadurch lebendig, weil sie nicht ausschließlich für die Hauptfigur und deren Abenteuer geschaffen wurde.

Ich liebe es, wenn Autoren diesen Aufwand betreiben. Es ist eine Sache, eine interessante Geschichte zu erzählen. Eine andere ist es, ein ganzes gedankliches Gerüst zu erschaffen, das die Geschichte trägt und ihr zusätzliche Tiefe verleiht.

Bei The Will of the Many hatte ich mehrfach den Eindruck, dass Islington an solchen Stellen richtig viel Freude an seiner eigenen Konstruktion hatte. Und diese Freude überträgt sich auf den Leser.

Gelesen und gehört – ein Hörbuch, das die Figuren zum Leben erweckt

Ich habe The Will of the Many sowohl gelesen als auch als Hörbuch erlebt. Gerade bei einem so umfangreichen Roman ist das für mich eine schöne Möglichkeit, tiefer in die Geschichte einzutauchen.

Die deutsche Hörbuchfassung wird von Stefan Kaminski gesprochen. Und hier muss ich wirklich ein Lob aussprechen: Seine Interpretation hat mir ausgesprochen gut gefallen.

Kaminski versteht es meisterhaft, den Figuren Leben einzuhauchen und ihnen eine eigene Präsenz zu geben. Gerade bei einer Geschichte mit vielen Figuren, unterschiedlichen Interessen und politischen Verwicklungen ist das keine Kleinigkeit. Die Charaktere bleiben unterscheidbar, und die Handlung gewinnt durch die Sprecherleistung zusätzlich an Atmosphäre.

Das Hörbuch ist mit rund 28 Stunden und 44 Minuten alles andere als ein kurzer Ausflug. Für mich hat sich diese Zeit aber gelohnt. Wenn ein Sprecher eine ohnehin spannende Geschichte so überzeugend transportiert, kann das ein Bucherlebnis noch einmal deutlich bereichern.

James Islington – ein Autor mit einem Gespür für große Zusammenhänge

Hinter dem Roman steht der australische Autor James Islington, der sich bereits mit seiner Licanius-Trilogie einen Namen in der Fantasy gemacht hat. Den Auftakt dieser Reihe bildet The Shadow of What Was Lost.

Mit The Will of the Many schlägt Islington ein neues Kapitel auf. Die Hierarchy-Reihe verbindet epische Fantasy mit politischen Machtkämpfen, akademischem Wettbewerb und einer Welt, deren Geheimnisse sich erst nach und nach erschließen.

Was mir an diesem Roman besonders auffällt, ist die Verbindung aus Planung und Spannung. Islington scheint großen Wert darauf zu legen, dass die Einzelteile seiner Welt zusammenpassen. Gleichzeitig verliert er die Geschichte nicht aus den Augen. Trotz der vielen Details bleibt die zentrale Frage bestehen, wie Vis in diesem gefährlichen System überleben und seine Ziele erreichen kann.

Das ist für mich eine der großen Stärken des Buches: Die ausgeklügelte Welt ist kein Selbstzweck. Sie liefert den Stoff, aus dem die Konflikte und Rätsel der Geschichte entstehen.

Wer sich für Fantasy interessiert, die ihre Geheimnisse nicht sofort preisgibt und den Leser zum Mitdenken einlädt, dürfte hier einiges zu entdecken haben.

Eine Warnung vor dem Ende: Dieser Cliffhanger hat es in sich

So sehr mich der erste Band überzeugt hat, so sehr muss ich auch über sein Ende sprechen. Keine Sorge, ich werde nichts verraten. Aber ich kann sagen, dass mich der Cliffhanger ziemlich ratlos zurückgelassen hat.

Das Ende ist so angelegt, dass man danach eigentlich gar keine andere Wahl hat, als zum nächsten Band zu greifen. Zumindest ging es mir so. Islington schafft es, die bisherigen Ereignisse in einen neuen Zusammenhang zu stellen und Fragen aufzuwerfen, die man nach der letzten Seite unbedingt beantwortet haben möchte.

Das ist erzählerisch wirkungsvoll, kann aber auch ganz schön gemein sein. Schließlich möchte man nach einem solchen Ende nicht erst lange auf die Fortsetzung warten müssen.

Immerhin ist der zweite Band, The Strength of the Few, inzwischen erschienen. Wer die Geschichte auf Deutsch weiterlesen möchte, kann ebenfalls aufatmen: Die deutsche Hardcover-Ausgabe ist bereits erhältlich. Der dritte Band trägt den Titel The Justice of One.

Einen festen Veröffentlichungstermin für den Abschluss der Trilogie gibt es allerdings noch nicht. Laut Islingtons offiziellem Fortschrittsbericht vom Juni 2026 befand sich das Manuskript zu diesem Zeitpunkt in der zweiten Überarbeitungsrunde und umfasste etwas mehr als 30.000 Wörter. Der Autor hoffte, bis Ende 2026 einen zur Einreichung geeigneten Entwurf fertigzustellen. Das ist ein Arbeitsziel und noch kein bestätigter Erscheinungstermin. Mit einer Veröffentlichung ist daher nicht unmittelbar zu rechnen.

Ich werde mich also erst einmal dem zweiten Band widmen. Und ganz ehrlich: Ich hoffe, dass Islington beim nächsten Finale etwas gnädiger mit meinen Nerven umgeht. Einen Cliffhanger wie den des ersten Bandes brauche ich nicht unbedingt noch einmal.

Mein Fazit: Eine klare Empfehlung für Red-Rising-Fans

The Will of the Many war für mich ein Buch, das erst eine kleine Anlaufzeit brauchte. Das römisch angehauchte Setting hat mich zunächst eher auf Abstand gehalten. Doch sobald ich mich darauf eingelassen hatte, entwickelte sich daraus eine Geschichte, die mich mit ihrer Kreativität, ihrer Spannung und ihrem Detailreichtum überraschte.

James Islington hat eine Welt erschaffen, in der Macht, Wissen und gesellschaftliche Stellung eng miteinander verbunden sind. Seine Systeme sind durchdacht, seine Rätsel machen neugierig, und die Handlung hält genügend Geheimnisse bereit, um mich bei der Stange zu halten. Die deutsche Hörbuchfassung mit Stefan Kaminski ist für mich eine zusätzliche Empfehlung wert.

Natürlich bleibt Red Rising für mich die stärkere Reihe. Pierce Brown setzt für mich in manchen Bereichen noch einmal andere Maßstäbe. Aber das bedeutet keineswegs, dass The Will of the Many dahinter verschwinden müsste. Islington erzählt seine eigene Geschichte und bringt genügend Ideen mit, um sich von seinen Vorbildern zu lösen.

Wer Red Rising liebt und sich von einer Fantasy-Welt mit Anklängen an das antike Rom nicht abschrecken lässt, sollte diesem Buch eine Chance geben.

Ich bin jedenfalls überzeugt genug, um direkt mit The Strength of the Few weiterzumachen. Schließlich will ich wissen, wie es mit Vis weitergeht. Und wenn ich nach diesem Ende eines gelernt habe, dann das: Bei James Islington sollte man sich besser nicht darauf verlassen, am Schluss eines Buches beruhigt ins Bett gehen zu können.

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