Falling Skies: Warum diese alte Alien-Serie auch heute noch funktioniert
Falling Skies ist keine neue Serie. Ganz im Gegenteil. Die erste Staffel lief bereits 2011. Trotzdem bin ich gerade erst bei ihr gelandet und habe mir tatsächlich alle fünf Staffeln angesehen. Und was soll ich sagen? Ich bin ziemlich froh, dass ich das getan habe.
Denn Falling Skies ist genau die Art von Science-Fiction, die heute irgendwie fehlt. Eine Serie, die sich Zeit für ihre Figuren nimmt, eine Alien-Invasion nicht nur als großes Spektakel versteht und ihre Geschichte über mehrere Staffeln hinweg immer weiterentwickelt.
Und natürlich spielt dabei für mich ein Name eine Rolle: Steven Spielberg.

Spielberg und seine Aliens
Ich liebe Spielberg-Filme. Nicht zuletzt wegen The Disclosure Day, über den ich erst kürzlich hier geschrieben habe. Spielberg hat für mich eine besondere Art, Geschichten über Außerirdische zu erzählen. Es geht ihm selten nur darum, dass irgendwelche Wesen aus dem All auftauchen und möglichst spektakulär unsere Städte zerlegen.
Mich interessiert bei Spielberg immer die Frage dahinter: Wer sind diese Wesen eigentlich? Warum sind sie hier? Und was bedeutet ihre Ankunft für die Menschen?
Genau dieses Gefühl hatte ich auch bei Falling Skies.
Die Serie wurde von Robert Rodat entwickelt, der unter anderem das Drehbuch zu Der Soldat James Ryan geschrieben hat. Die Grundidee entstand gemeinsam mit Spielberg, der anschließend als Executive Producer beteiligt war. Produziert wurde die Serie von DreamWorks Television beziehungsweise später Amblin Television.
Das merkt man der Serie durchaus an.
Nicht unbedingt daran, dass Spielberg persönlich hinter jeder Kamera gestanden hätte. Sondern an der grundsätzlichen Idee, den Aliens eine Geschichte zu geben.
Die Erde hat den Krieg bereits verloren
Das ist wahrscheinlich der Punkt, der mir an Falling Skies am besten gefällt.
Die Serie beginnt nicht mit dem großen Knall.
Wir sehen nicht minutenlang, wie die Aliens auf der Erde landen, bevor die Menschheit heldenhaft zurückschlägt.
Die Menschheit hat bereits verloren.

Städte sind zerstört. Die Infrastruktur ist zusammengebrochen. Millionen Menschen sind tot. Die Überlebenden verstecken sich, suchen Nahrung und versuchen herauszufinden, wie sie den nächsten Tag überstehen.
Im Mittelpunkt steht Tom Mason, gespielt von Noah Wyle. Er war Geschichtsprofessor und wird nach der Invasion zu einem der Anführer der Widerstandsgruppe 2nd Massachusetts. Seine Frau ist tot und sein Sohn Ben wurde von den Aliens verschleppt.
Damit hat die Serie von Anfang an etwas, das vielen Alien-Invasionen fehlt: einen persönlichen Kern.
Tom kämpft nicht einfach gegen irgendwelche Aliens.
Er kämpft um seine Familie.
Und genau daraus entwickelt sich im Laufe der fünf Staffeln eine Geschichte, die wesentlich größer wird.

Eine Serie, die sich Zeit für ihre Figuren nimmt
Schon nach den ersten Episoden hatte ich das Gefühl, dass Falling Skies anders funktioniert als viele moderne Serien.
Die Serie will nicht ständig den nächsten großen Effekt präsentieren.
Sie lässt ihre Figuren einfach miteinander reden.
Man erlebt, wie Menschen nach einer Katastrophe versuchen, wieder so etwas wie Normalität aufzubauen. Freundschaften entstehen. Beziehungen verändern sich. Menschen sterben. Andere übernehmen Verantwortung, obwohl sie eigentlich gar nicht dafür gemacht sind.
Und genau dadurch beginnt man irgendwann, diese Figuren wirklich zu kennen.
Das ist für mich eine der größten Stärken der Serie.
Man sieht nicht einfach fünf Staffeln lang Noah Wyle dabei zu, wie er Aliens erschießt. Man sieht, wie sich Tom Mason verändert. Und dasselbe gilt für Ben, Hal, Anne, Weaver und die vielen anderen Charaktere.
Nicht jede Entwicklung funktioniert dabei gleich gut. Manche Entscheidungen der Autoren fand ich durchaus fragwürdig. Aber insgesamt schafft es Falling Skies, dass mir die Menschen hinter dem Widerstand irgendwann wichtiger waren als die eigentliche Alien-Invasion.

Ja, die Serie sieht manchmal nach B-Movie aus
Und jetzt muss ich etwas ansprechen, das man nicht verschweigen sollte.
Falling Skies sieht alt aus.
Zumindest manchmal.
Wer heute Serien wie The Last of Us, Foundation oder aktuelle große Science-Fiction-Produktionen gewohnt ist, wird bei Falling Skies schnell merken, dass hier eine andere Zeit der Fernsehproduktion zu sehen ist.
Manche Sets wirken schlicht.
Manche Explosionen sehen nach Fernsehen aus.
Und manche CGI-Effekte sind inzwischen deutlich gealtert.
Die Serie hat stellenweise durchaus diesen charmanten B-Movie-Look.
Aber genau hier sollte man sich nicht täuschen lassen.
Denn wenn man sich darauf einlässt, funktionieren die Effekte erstaunlich gut.
Die Produktion setzte nicht ausschließlich auf CGI. Gerade bei den Skittern kamen auch praktische Effekte zum Einsatz. Die visuellen Effekte waren zudem gut genug, um 2012 und 2013 jeweils für einen Primetime Emmy nominiert zu werden.
Und das finde ich rückblickend sogar ziemlich bemerkenswert.
Falling Skies musste nicht aussehen wie eine aktuelle 200-Millionen-Dollar-Produktion.
Es musste seine Welt glaubwürdig genug machen, damit ich als Zuschauer darin bleiben konnte.
Das gelingt erstaunlich oft.

Die Aliens sind mehr als nur Kanonenfutter
Was die Serie ebenfalls richtig macht, ist ihre Alien-Mythologie.
Am Anfang haben wir Skitter, Mechs und die mysteriösen Harnesses. Später kommen weitere Fraktionen und neue Erkenntnisse über die Invasion hinzu.
Und plötzlich wird aus dem simplen Szenario „Menschen gegen Aliens“ eine wesentlich größere Geschichte.
Die Skitter sind nicht einfach nur Monster, die man abschießen muss. Die Hierarchie hinter der Invasion wird immer komplizierter. Es gibt die Espheni, die Volm und Figuren wie Cochise. Und mit jeder Staffel verändert sich unser Bild davon, wer eigentlich Täter, Opfer oder Verbündeter ist.
Genau das ist für mich typisches Spielberg-Sci-Fi.
Die Außerirdischen sind nicht einfach irgendwelche Monster aus dem All.
Sie haben eine Geschichte.
Sie haben eine Kultur.
Sie haben eigene Ziele.
Und irgendwann stellt sich sogar die Frage, wie viel von dem, was wir über sie zu wissen glaubten, überhaupt stimmt.

Hinter den Kulissen wurde ordentlich getrickst
Wer die Skitter heute sieht, könnte leicht davon ausgehen, dass es sich einfach um CGI-Kreaturen handelt.
Ganz so einfach war es aber nicht.
Die Produktion kombinierte digitale Effekte mit physischen Kreaturen. Das Ergebnis war gerade bei den Nahaufnahmen deutlich greifbarer.
Auch die Harness-Szenen waren kein simples „Computer macht Alien“.
Für die Darsteller bedeuteten solche Szenen teilweise aufwendige Masken- und Prothesenarbeiten.
Und genau solche Details erklären vielleicht auch, warum die Serie für mich besser funktioniert, als es ihr Alter zunächst vermuten lässt.
Man hat nicht einfach alles dem Computer überlassen.
Die Macher mussten mit den Möglichkeiten arbeiten, die ihnen damals zur Verfügung standen.
Und das sieht man.
Aber man sieht eben auch, dass sich die Verantwortlichen Gedanken gemacht haben.

Fünf Staffeln, die sich deutlich verändern
Eine Sache sollte man wissen, bevor man sich auf Falling Skies einlässt: Die Serie bleibt nicht über fünf Staffeln exakt dieselbe.
Und das liegt auch daran, dass sich die kreative Führung mehrfach veränderte. Insgesamt hatte die Serie drei Showrunner, bevor David Eick die letzten beiden Staffeln prägte.
Das merkt man.
Die erste Staffel fühlt sich für mich noch sehr stark nach klassischer Alien-Invasion und Überlebenskampf an.
Später wird die Geschichte größer. Die Alien-Mythologie wird komplexer, neue Fraktionen kommen hinzu und aus einer Gruppe Überlebender wird zunehmend eine organisierte Widerstandsbewegung.
Das hat Vorteile.
Aber es führt auch dazu, dass nicht jede Entwicklung gleichermaßen rund wirkt.
Manchmal hatte ich beim Anschauen durchaus das Gefühl, dass die Serie etwas zu viel auf einmal erzählen wollte.
Trotzdem bin ich drangeblieben.
Und das sagt eigentlich schon ziemlich viel aus.

Das Ende hat mich nicht kaltgelassen
Wer Falling Skies noch nicht gesehen hat, sollte an dieser Stelle vielleicht aufhören zu lesen.
Denn das Ende gehört zu den Dingen, über die man nach fünf Staffeln durchaus diskutieren kann.
Die Serie entscheidet sich letztlich für einen ziemlich hoffnungsvollen Abschluss. Tom Mason besiegt die Espheni Queen und die Menschheit bekommt die Chance auf eine neue Zukunft.
Interessant ist allerdings, dass das Ende ursprünglich anders gedacht war.
David Eick erzählte nach dem Serienfinale, dass seine ursprüngliche Variante deutlich offener gewesen wäre. Das kleine Wesen, das am Ende der Geschichte eine wichtige Rolle spielt, sollte überleben und davonkrabbeln. Danach hätte die Serie einfach auf Schwarz geschnitten.
Das wäre ein wesentlich düstereres Ende gewesen.
Letztlich entschied man sich aber für den hoffnungsvolleren Abschluss. Eick bezeichnete das finale Ende selbst als passend zum Ton der Serie und als „sehr amerikanisch“.
Und ehrlich gesagt finde ich diese Entscheidung gar nicht schlecht.
Falling Skies war über fünf Staffeln eine Geschichte über Menschen, die trotz praktisch aussichtsloser Situationen weitermachen.
Da passt ein hoffnungsloses Ende eigentlich gar nicht so richtig.

Mein Fazit
Ich hatte bei Falling Skies zunächst überhaupt keine großen Erwartungen.
Eine Science-Fiction-Serie von 2011 über eine Alien-Invasion? Dazu fünf Staffeln? Und dann auch noch eine Serie, die optisch teilweise deutlich nach ihrer Zeit aussieht?
Das hätte auch ziemlich schiefgehen können.
Ist es aber nicht.
Natürlich ist Falling Skies nicht perfekt.
Manche Geschichten ziehen sich etwas. Einige Entscheidungen der Figuren konnte ich nicht nachvollziehen und an manchen Stellen merkt man der Serie ihr Alter deutlich an.
Aber das ist für mich am Ende nebensächlich.
Denn Falling Skies erzählt eine Geschichte, die mich über 52 Episoden hinweg bei der Stange gehalten hat.

Ich habe die Charaktere kennengelernt, ihre Entwicklung verfolgt, mit ihnen mitgefiebert und irgendwann tatsächlich das Gefühl gehabt, diese Menschen schon ziemlich lange zu begleiten.
Und genau das können längst nicht alle Serien von sich behaupten.
Vielleicht muss man sich bei Falling Skies einfach auf ihren Stil einlassen.
Auf die etwas älteren Effekte.
Auf die manchmal sehr deutliche TV-Optik.
Auf die langen Gespräche zwischen den Figuren.
Wenn man das kann, bekommt man eine überraschend liebevoll erzählte Science-Fiction-Geschichte über eine Menschheit, die eigentlich schon verloren hat und trotzdem nicht aufgibt.
Für mich ist Falling Skies deshalb ein kleines Beispiel dafür, dass eine Serie nicht immer brandneu aussehen muss, um heute noch zu funktionieren.
Und wer – so wie ich – Science-Fiction, Alien-Geschichten, Postapokalypse und den Kampf um die Erde mag, sollte der Serie definitiv eine Chance geben.
Ich jedenfalls bin froh, dass ich sie nach all den Jahren noch entdeckt habe.